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Inhalt der aktuellen Ausgabe 03/2018

Inhalt

Inhaltsverzeichnis / Impressum

Aufsätze

Der schone vundelinc

Zwei neuerdings aufgefundene, im 16. Jahrhundert als Buchumschlag verwendete Pergamentblätter sind Teil einer Handschrift des deutschen Prosa-„Lancelot“ aus dem 13. Jahrhundert. Der enthaltene Text zeigt keinerlei Spuren des Mittelniederländischen, sondern erweist sich als Übersetzung, die eng und unmittelbar an ihrer altfranzösischen Vorlage orientiert ist, dem entsprechenden Passus im „Lancelot en prose“ (ca. 1215–1230). Zudem war, wie sich auch jetzt wieder zeigt, die deutsche Übersetzung die erstaunlich gut bewahrte Vorlage für die Abschrift des 15. Jahrhunderts im Heidelberger Cpg 147, dem einzigen Zeugen für den kompletten Text des deutschen Prosa-„Lancelot“.

Textzeugin‘ und Medium für das (un-)rechte Maß: Die sprechende Feder im „Welschen Gast“ Thomasîns von Zerclaere

Thomasîn von Zerclaere hat in „Der Welsche Gast“ höfische Sittlichkeit unter die Leitkategorie der mâze gestellt. Hierzu scheint zunächst nicht nur sein expliziter Aufruf zur Kreuzzugsteilnahme im Widerspruch zu stehen. Sein Lehrgedicht ist auch stilistisch divergent, da es auch eine dialogische Passage enthält, in der das Dichter-Ich von seiner Schreibfeder wegen maßloser Schreibarbeit angeklagt wird. In diesem Beitrag wird der Zusammenhang einerseits von höfischem Ethos und Kreuzzugsideologie und andererseits von Lehrwerk und Dialogpartie herausgearbeitet, um plausibel zu machen, dass vermeintliche Widersprüche in Argumentation und Dichterverhalten als zusätzliche Register der Didaxe fungieren.

Körper – Ding – Schrift im „Parzival“ und „Titurel“

Der Aufsatz untersucht unfeste Kategoriegrenzen von Körper, Ding und Schrift in Wolframs „Parzival“ und „Titurel“. Wenn dort, wie am Beispiel der Gahmuret- und Sigune-Handlungen gezeigt wird, Körper und Schrift dinghaft werden, geht dies mit Unverfügbarkeit einher – eine Eigenschaft, die für vormodernes bzw. Wolframs spezifisches Ding-Verständnis zu diskutieren ist.

Tagungsberichte

Tagungsbericht: ‚Lyrische Kohärenz im Mittelalter. Spielräume – Kriterien – Modellbildung‘, 18.–20. Januar 2018, Zürich

Wie wird ein lyrischer Text zu einem kohärenten Text? Kann man von spezifisch lyrischen Formen von Kohärenzbildung sprechen, die sich von den unterschiedlichen – in der Forschung bereits besser erschlossenen – Formen narrativer Kohärenzbildung grundsätzlich unterscheiden lassen? Auf welchen Ebenen der Texte sind die entsprechenden Kohärenzmarker zu suchen: in der argumentativen Logik der Texte, in ihrer sprachlich-grammatischen Faktur, in der Performanz der Aufführung, im Überlieferungsbefund? Wie lassen sich Kohärenzkriterien beschreiben, ohne dabei ahistorischen Projektionen zu verfallen? Gibt es in diesem Zusammenhang so etwas wie zeitgenössische Kohärenzdiskurse und -semantiken? Wie lässt sich das unsichere Verhältnis von Produktion und Rezeption modellieren, wenn es um die Frage der Herstellung textueller Kohärenz geht? Und schließlich: Wie ist mit dem kohärenzhermeneutischen Dilemma des fließenden Übergangs von intendierter und emergenter Kohärenz umzugehen?

Tagungsbericht: „Erzählte Ordnungen – Ordnungen des Erzählens“ 20.–22. Februar 2018, Zürich

Die von Daniela Fuhrmann und Pia Selmayr veranstaltete Zürcher Tagung stellte „Erzählte Ordnungen“ zusammen mit „Ordnungen des Erzählens“ zur Diskussion. ‚Ordnung‘ wurde dabei als dynamisches Konzept verstanden, das für jegliche Form von Wahrnehmen, Erleben, Kommunizieren und Wissen einer soziokulturellen Welt prägend ist und nur im Plural gefasst werden kann. Von einer einengenden definitorischen Begriffsbestimmung wurde (vorerst) bewusst abgesehen. Ordnungen seien dagegen vielmehr als eine Größe zu verstehen, die zwischen Konstruktion und Zerstörung eine jegliche Welt zu durchdringen und in ihren vielfältigen Formen des Ordnungsstiftens diese mit Sinn und Geltung zu strukturieren vermöge.

Buchbesprechungen

Astrid Lembke: Dämonische Allianzen. Jüdische Mahrtenehenerzählungen der europäischen Vormoderne, Francke Verlag, Tübingen 2013 (Bibliotheca Germanica, 60).

Die im Rahmen des Leibniz-Projektes ‚Verwandtschaft in der Vormoderne. Institutionen und Denkformen intergenerationeller Übertragung‘ entstandene, von Andreas Kraß betreute und 2011 in Frankfurt/Main angenommene Dissertation behandelt den Erzählkomplex der „gestörten Mahrtenehe“ (Friedrich Panzer 1902) in hebräischen bzw. jiddischen Erzählungen, die in der Forschung zu den lateinischen, französischen und deutschen Varianten bisher nicht berücksichtigt wurden, obwohl die jeweiligen westlichen und jüdischen literarischen Kulturen quellengeschichtlich wie auch in ihrem historischen Umfeld vielfältig untereinander vernetzt sind.

Evamaria Freienhofer: Verkörperungen von Herrschaft. Zorn und Macht in Texten des 12. Jahrhunderts, De Gruyter, Berlin, Boston 2016 (Trends in Medieval Philology 32) (Zugl. Diss. Freie Universität Berlin).

In ihrer für die Publikation überarbeiteten Dissertation geht Evamaria Freienhofer der Frage nach, welche Funktionen Zorn als einer „Emotion zur Strukturierung von Gemeinschaften“ bei der „Konzeptualisierung von Macht und Herrschaft“ in Erzähltexten, aber auch in historiographischen und philosophisch-didaktischen Schriften des zwölften Jahrhunderts zukommen. Die am Schluss der Arbeit als „ein Hauptergebnis“ präsentierte These, „dass sich im 12. Jahrhundert in den deutschen Teilen des Reiches ein neues Konzept von Herrschaft entwickelt, das dem Zorn des Herrschers eine grundlegende Funktion einräumt“, sucht sie dabei durch Analysen jener Texte zu belegen, die sie als „die zentralen Konzeptualisierungen von Herrschaft im 12. Jahrhundert“ ansieht: Kapitel 2 widmet sich dem „Policraticus“ des Johannes von Salisbury, Kapitel 3 dem „Rolandslied“, Kapitel 4 den „Gesta Frederici“ Ottos von Freising und Rahewins, Kapitel 5 schließlich dem „König Rother“. Vorangestellt ist den Textanalysen eine ausschließlich „der heuristischen Analyse“ dienende Darstellung antiker Konzeptualisierungen von Zorn (Kapitel 1).

Frank Kirchhoff: Von der Virgel zum Komma. Die Entwicklung der Interpunktion im Deutschen, Heidelberg (Winter) 2017 (Germanistische Bibliothek, Bd. 61; zugleich Diss. Universität Köln).

Im Verzeichnis der Neuerscheinungen 2.2017 des Heidelberger Universitätsverlags Winter findet sich in der Anzeige der vorliegenden Studie der Satz: „Dabei zeigt sich, dass bereits in früheren Sprachstufen das Komma und dessen historische Vorläufer in erster Linie syntaktisch motiviert sind, entgegen der bisherigen Annahme einer hauptsächlich intonatorischen Funktion“. Da die primär syntaktisch motivierte Interpunktion für die Zeit nach ca. 1500 heute niemand mehr ernsthaft infrage stellt, erschien mir der angedeutete wissenschaftliche Mehrwert der vorgelegten Dissertation einer Rezension wert.

Dieter Wrobel, Stefan Tomasek (Hgg.): Texte der Vormoderne im Deutschunterricht. Schnittstellen und Modelle, Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2013.

Nine Miedema, Andrea Sieber (Hgg.): Zurück zum Mittelalter. Neue Perspektiven für den Deutschunterricht, Peter Lang, Frankfurt/Main 2013 (Germanistik Didaktik Unterricht 10).

Iris Mende: Vermitteltes Mittelalter? Schulische und außerschulische Potentiale moderner Mittelalterrezeption, Peter Lang, Frankfurt/Main 2012 (Germanistik Didaktik Unterricht 8; zugl. Diss. Universität Göttingen).

Ylva Schwinghammer: Das Mittelalter als Faszinosum oder Marginalie? Länderübergreifende Erhebungen, Analysen und Vorschläge zur Weiterentwicklung der Mittelalterdidaktik im muttersprachlichen Deutschunterricht. Peter Lang, Frankfurt/Main 2013 (Mediävistik zwischen Forschung, Lehre und Öffentlichkeit 7; zugl. Diss. Universität Graz).

Es gibt einige Lieblingsbegriffe, die in kaum einer Veröffentlichung fehlen, der es um Werbung für mittelalterliche Literatur und Sprache im aktuellen Deutschunterricht gelegen ist: „Popularität“ gehört dazu, „Faszinosum“ ist auch ein solcher Begriff, „Potenzial“ ein anderer. Im Spannungsfeld zwischen diesen Begriffen eröffnen sich die ganze Misere jenes germanistischen Gegenstandsbereiches, der von den bildungspolitischen und fachdidaktischen Wenden der 1970er Jahre am nachhaltigsten getroffen wurde, und der ganze Enthusiasmus, mit dem eine gar nicht so geringe Zahl von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern seit einigen Jahren nachdrücklich und argumentativ bestens gerüstet seine unterrichtliche Wiederbelebung propagiert.
 

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